Mi
21
Juni

Christoph Hein liest aus: „Trutz“

Autorenlesung

Kiesel im k42
20:00 Uhr

Karten

Ein „Jahrhundertroman“ des genauesten Beobachters der Gesellschaft

„In diesen Roman geriet ich aus Versehen oder vielmehr durch eine Bequemlichkeit.“ Dieser Satz eröffnet eine Recherche, über das Leben zweier Familien während des vergangenen Jahrhunderts. Im Zentrum stehen der Schriftsteller Rainer Trutz und Waldemar Gejm, Professor für Mathematik und Linguistik an der Lomonossow-Universität Moskau, der seit Jahren ein neues Forschungsgebiet entwickelt: die Mnemotechnik, die Lehre von Ursprung und Funktion der Erinnerung. Die partei-offizielle Gedächtnissteuerung staatlicher Stellen wird Trutz wie Gejm in den darauffolgenden Jahren zum Verhängnis: Der Deutsche wird in einem sowjetischen Arbeitslager erschlagen, die Umschwünge der Politik Stalins führen im Falle Gejm zur Deportation mit anschließendem Tod. Nur die beiden Söhne, Maykl Trutz und Rem Gejm, überleben und begegnen sich Jahrzehnte später.

In seiner objektiven und einfühlenden Chronik der Lebensläufe zweier Familien bündelt Christoph Hein die Hoffnung auf eine Existenz jenseits von Elend und Diktatur. Und so ist ihm ein Jahrhundertroman im zweifachen Sinn gelungen: ein Jahrhundert umgreifend, ein Jahrhundert widerspiegelnd, ein Jahrhundert verstehbar zu machen und nachzuerleben.

EP: 5.00 €

© H. Voith